
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor einigen Tagen habe ich mich nach einem Termin in Stuttgart – die inzwischen seltener geworden sind – im nahezu menschenleeren Landtag von Baden-Württemberg
wiedergefunden. Gedankenverloren bin ich durch die Gänge geschlendert.
Dabei kam mir ein Bild in den Sinn: das Jahr 1974, als Franz Beckenbauer nach dem gewonnenen WM-Finale ruhig und nachdenklich über den Platz ging. Obwohl ich weiß Gott kein Fußballer bin, gefällt mir dieses Bild sehr. Es hat mich dazu gebracht, auf meine eigene „Spielzeit“ zurückzublicken – 14 Jahre im Kader der CDU-Landtagsfraktion.
In den ersten vier Jahren saß ich gewissermaßen auf der Auswechselbank – wir waren in der Opposition. Es war keine einfache Zeit, zuzusehen, wie Grün-Rot das Spiel bestimmte, mit viel neu verstandener Bildungs- und Umweltpolitik, die ich aus heutiger Sicht nicht immer für zielführend halte.
Dann folgten zwei intensive Spielzeiten – die zweite und dritte Legislaturperiode –, in denen ich als Stammspieler auf unterschiedlichen Positionen eingesetzt war. Meist in der Verteidigung, aber auch im Mittelfeld. Dort habe ich versucht, das Spiel zu lenken, Pässe zu verteilen und Angriffe vorzubereiten – etwa bei Projekten wie der B311, dem MINT-Exzellenzgymnasium oder der Keltenkonzeption.
Wie ein klassischer Mittelfeldspieler war es selten mein Anspruch, selbst im Sturm zu stehen und Tore zu schießen. Vielmehr habe ich mich als jemand verstanden, der das Spiel zusammenhält, der vorbereitet und dafür sorgt, dass die Anliegen – insbesondere aus dem ländlichen Raum und aus Oberschwaben – ihren Weg nach vorne finden.
Selbstkritisch muss ich sagen: Nicht jeder Spielzug ist gelungen. Die Ansiedlung des Rettungshubschraubers Christoph 45 in Mengen etwa blieb ohne den erhofften Erfolg.
Einige Male ist mir aber auch ein Treffer gelungen – etwa mit der Einführung eines dritten Faktors zugunsten der ELR-Förderung für den ländlichen Raum. Ein wichtiges Tor, das für unser Spiel prägend war.Es gab auch Verwarnungen: Eine „gelbe Karte“ erhielt ich einmal wegen eines Biber-Kochbuchs – es war eine andere Zeit. Nach heutigen
Maßstäben hätte ich dafür vermutlich eher einen Freistoß zugesprochen bekommen.
Zum politischen Spiel gehören nicht nur Applaus, sondern auch Pfiffe – von den politischen Mitbewerbern ebenso wie aus der medialen Begleitung, die unsere Spielzüge nicht
selten kritisch kommentierte. Dennoch bin ich überzeugt: Unsere Mannschaft hat immer engagiert, hart und vor allem fair gespielt. Dieses faire Spiel war und ist mir wichtig.
Vielleicht hat es uns nicht immer den kurzfristigen Erfolg gebracht – möglicherweise hat es uns sogar den Sieg im einen oder anderen entscheidenden Spiel gekostet. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass nur ein solcher Stil unser Land langfristig nach vorne bringt – gerade in einer Zeit, in der der Ton rauer wird und die politischen „Ränge“ unruhiger erscheinen.
Neben meiner Arbeit im Landtag war ich auch kommunalpolitisch im Landkreis Sigmaringen aktiv. Dort kannte ich das Spielfeld besonders gut – und wusste, wo die Bürgerinnen und Bürger Unterstützung brauchen. Auch dort habe ich versucht, verlässlich zu verteidigen und Impulse nach vorne zu geben. Viele Spiele fanden nicht nur in Stuttgart oder im Wahlkreis statt, sondern waren im ganzen Land verteilt. Über die Jahre bin ich da sozusagen über 400.000 Kilometer unterwegs gewesen.
Nun ertönt für mich gewissermaßen der Schlusspfiff meiner Zeit im Landtag. Ich verlasse das Feld nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teil einer Mannschaft, die ich viele Jahre mitgestalten durfte.
Zum Abschluss möchte ich zwei Dinge sagen:
Erstens: Mein herzlicher Dank gilt allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern – in der Fraktion, im Hintergrund, bei den „Trainern“ und an der Basis in den Ortsverbänden. Wir haben auch in schwierigen Zeiten zusammengehalten.
Zweitens: Mit Blick auf die aktuelle Aufstellung bin ich zuversichtlich. Unsere Fraktion ist mit 56 Stammspielern darunter Ilona Boos stark aufgestellt. Wenn wir unserem Mannschaftsführer Manuel Hagel die Treue halten, bin ich überzeugt, dass noch viele gute Spiele vor uns liegen.
Ich verlasse das Feld mit dem guten Gefühl, ein langes politisches Spiel engagiert, bodenständig und fair gespielt zu haben. Verzeihen Sie mir die etwas blumige Sprache – aber manchmal beschreibt gerade sie das Wesentliche am besten.
Ihr Klaus Burger MdL a.D.
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